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LUCA JÄNICHEN

My way to the Pacific Northwest

Ich denke es ist das Geheimnisvolle und die Vielfalt dieses Ortes, was mich schon immer anzog. Als jemand, der es liebt, Zeit im Freien zu verbringen und als abenteuerlustige Seele, hatte dieser Ort meine Aufmerksamkeit, seitdem ich das erste Mal davon hörte. Als kleines Kind gingen wir immer hinaus und bauten diese kleinen Hütten und Unterstände aus Zweigen im Wald. Ich verbrachte Tage damit, Mauern, Wege und Löcher zu bauen, selbst bei schlechtem Wetter. Strömender Regen und Schnee konnten mich nicht davon abhalten wieder in den Wald zu gehen, immer und immer wieder. Irgendwie war es fast wie ein zweites Zuhause da draußen, wo man ganz allein ist und sein eigener Schöpfer sein kann – zumindest bis der Förster kam. Als ich älter wurde, verbrachte ich dort weniger Zeit, lernte die strengen Regeln des deutschen Forstschutzes kennen und erkannte, dass es schönere Wälder gibt als die in der Nähe meiner Stadt. Deswegen kam es nach und nach dazu, dass ich diesen Wald und andere in der Umgebung fast vergessen habe, als ich für meine Abschlussprüfungen lernen musste.

Es war also wie ein Wachruf, als ich vor einigen Jahren diese stimmungsvollen Bilder des amerikanischen pazifischen Nordwestens auf Instagram gesehen habe. Zuerst versuchte ich, diese Bilder in den deutschen Wäldern nachzubilden. Während ich das tat, ging ich wieder im Regen hinaus, fing sogar wieder an das Wetter zu lieben, bei dem andere nicht einmal einen Schritt nach draußen machen. Es hat mich zurück zur Natur gebracht und ich bin sehr dankbar dafür. Allerdings musste ich bald erkennen, dass es etwas Anderes war. Ich hatte das Gefühl, dass die Bilder des PNW viel intensiver, interessanter, mystischer waren und die Seele des Waldes in ihrer reinsten Form zeigten. Damals hatte ich gerade erst mit der Fotografie begonnen und wie bereits erwähnt, habe ich versucht, diesen Bildstil in die deutschen Wälder zu implementieren. Aber ich lernte bald, dass es nicht nur darum geht Dinge aufzunehmen oder zu bearbeiten, sondern mehr um den Ort selbst. Das ist es, was ein Bild besonders macht. Ein Urwald auf der anderen Seite der Welt ist einfach nicht zu vergleichen mit einem kleinen deutschen Wald, der zwischen einer Autobahn und einem Dorf eingeklemmt ist. Also machte ich den Plan gleich nach meinem Schulabschluss in die USA und nach Kanada zu gehen, um diesen spektakulären Ort zu sehen. Ein paar Monate später befand ich mich auch schon im Bus zum Flughafen. Es ging endlich los!

Nachdem wir ein paar Tage in Vancouver waren, mieteten wir ein Auto und überquerten die Grenze. Ausgestattet mit allem, was wir für einen Camping-Roadtrip brauchen würden, begannen wir auf die Olympic Peninsula zu fahren. Nach all den Jahren des Wartens konnte ich diese Landschaft endlich im wirklichen Leben sehen. Auf dem Weg zum Olympic National Park nahmen wir die Route über den Deception Pass und überquerten den Puget Sound mit der Port Townsend Fähre.

Am nächsten Morgen begannen wir unsere Umgebung zu erkunden und befanden uns in einem riesigen regnerischen Wald. Es gab einfach so viel Grün – grünes Gras, grüne Bäume, grünes Moos. Wir konnten unseren Augen nicht trauen! Es ist einfach ein Paradies für Pflanzen, weil es dort so oft regnet. Ich dachte vorher immer, dass die Bilder von hier so bearbeitet wurden, dass das Grün der Landschaft saftiger und lebendiger aussieht, während dies in Wirklichkeit ohne verrückte Bearbeitung der Fall war. Ein Traum wurde für mich wahr, als ich durch die nass tropfenden und moosbedeckten Wälder der alten Urwälder wanderte.

Eigentlich wollten wir die tief in einem Tal gelegenen heißen Quellen besuchen, aber die Straße war mit Schildern blockiert und wir fanden heraus, dass die Straße in den letzten Wochen durch starken Regen weggespült wurde. Schwer vorstellbar, da auf der anderen Seite des Nationalparks noch immer Waldbrände wüteten. Anstatt zu den heißen Quellen zu gehen, beschlossen wir also nach einigen Wasserfällen zu suchen und fanden sie schließlich auch. Ein absolutes Highlight! Doch es war nicht das Einzige, denn als wir einen Spaziergang entlang eines Flusses machten, sahen wir  springende Lachse, die sich ihren Weg flussaufwärts bahnten. Es war unglaublich diese großen Fische beim Springen zu beobachten, als sie versuchten mit all ihrer Kraft ihre Brutstätten zu erreichen. Eine kleine Gruppe von Leuten wartete darauf, sie nur für ein paar Sekunden zu sehen.

Da es ständig regnete, konnten wir nur hin und wieder ein paar kurze Wanderungen machen. Für den Abend suchten wir uns eine Unterkunft am Rialto Beach und stießen auf eine Park Ranger Station, wo wir viel darüber lernten, wie das Nationalparksystem und die Übernachtungsvorschriften funktionieren. Wenn man das erste Mal vor Ort ist, ist es anfangs sehr schwer zu verstehen, wo man überhaupt übernachten kann, was man tun muss, welche Zettel man ausfüllen muss und welchen Pass man braucht. Es gibt auch hier und da ein paar Ausnahmen und manchmal haben Ranger auch unterschiedliche Standpunkte zu bestimmten Einschränkungen. Es ist also definitiv gut mit ihnen zu sprechen, besonders wenn man übernachten und längere Wanderungen machen will, da sie auch anfangen nach einem zu suchen, wenn man nach einer gewissen Zeit nicht bei seinem Auto auftauchen würde. Die Ranger haben oft auch Campingplätze in der Nähe ihrer Stationen, wo man sein Wasser auffüllen und duschen kann. Obwohl wir das alles auf unserer Reise nicht benutzt haben, kann ich auf jeden Fall empfehlen sie zu besuchen, wenn man auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft mit seinem Zelt ist.

Statt auf dem Campingplatz in der Nähe der Ranger Station, campten wir am Strand. Der erste Abend am Strand war super windig und es regnete viel. Wir trafen einen der Rangers am Strand wieder und sie begann uns mit viel Euphorie die verschiedenen Vogelarten aus der Gegend zu erklären. Es wurde ziemlich früh dunkel, aber wir blieben noch ein wenig länger, um einigen Surfern zuzusehen. In diesem Moment entstand eines meiner absoluten Lieblingsbilder! Ein Surfer, müde nach langer Zeit im kalten pazifischen Wasser, nimmt sein Brett und geht zu den Lichtern von La Push. Nichts gestellt! Nur ein authentischer und emotionaler Moment, den ich glücklicherweise festhalten konnte. Für mich ist es das, worum es bei der Fotografie geht – die Dokumentation von Momenten, die man auf individuelle Weise erlebt hat. Ich mag es sehr, wenn man Emotionen aus einem Bild herausholen kann. Nicht jeder bekommt Emotionen beim Betrachten meiner Bildern, auch ich bekomme nicht bei jedem einzelnen Bild von jemand anderem Emotionen. Aber für mich ist es wirklich wichtig, dass der Fotograf selbst die Emotionen beim Betrachten seiner eigenen Arbeit bekommt und diese auf seine Betrachter übertragen kann, indem er eine Geschichte erzählt.

Aufgrund des Wetters an der Küste gingen wir ein wenig ins Landesinnere und übernachteten in einem National Forest. Am nächsten Tag erkundeten wir weitere Waldwege und Pfade und landeten direkt wieder in einem Regenschauer. Am Abend packten wir endlich unsere Rucksäcke zusammen und machten uns auf den Weg zu einem Strand für die Nacht. Es war der erste Abend seit Tagen, an dem wir einen Sonnenuntergang ohne bewölkten Himmel hatten. Die Küste des Pazifischen Ozeans um die Olympische Halbinsel ist ziemlich rau, riesige Baumstümpfe und Felsen liegen an den Stränden herum. Wind und Regen prägen die Steine und Wälder entlang der Küste und irgendwo dazwischen lag ein Holzhaufen. Wir bauten unser Lager direkt dort auf, pumpten The Cave auf und machten ein kleines Lagerfeuer, das vor dem Wind geschützt war. Nach einem atemberaubenden Sonnenuntergang, bei dem wir wie Ameisen abwechselnd das Lager aufbauten und fotografierten, gingen die letzten Einheimischen vom Strand nach Hause und wir hatten die Küste für uns allein. Es wurde sehr bald dunkel und wir mussten noch mehr Brennholz für das Feuer finden. Kurz nachdem wir mit dem Kochen des Abendessens begonnen hatten, fing es wieder an zu regnen und wir suchten Zuflucht im Cave. Weit weg von jedem Menschen hörten wir nur das Geräusch der brechenden Wellen und des Regens, der auf das Zelt tropfte. Ab und zu kamen seltsame Geräusche aus dem Wald. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man einen Bären, Elch, Hirsch oder andere Tiere sieht. Um zu verhindern, dass ein Bär zu uns kommt, haben wir einen Bärenkanister mitgebracht. Da kann man sein Essen reinpacken und den Behälter irgendwo außerhalb des Campes abstellen, damit die Tiere es weder riechen noch sehen können und dich bei ihrer Suche nicht angreifen. Die einzigen Tiere die wir am Strand sahen, waren Krabben, Blue Birds und ein Eichhörnchen, das versuchte unser Frühstück zu stehlen. Nach dem Kampf mit dem Eichhörnchen war es an der Zeit das Zelt abzubauen, was ziemlich einfach und schnell ging, besonders wenn man zu Zweit ist. Ich war überrascht, wie gut es dem starken Wind am Strand standhielt. Wir haben einige Steine auf die Leinen gelegt, damit es auf dem sandigen Boden noch sicherer steht.

Nachdem wir einige Tage lang die Bereiche der Halbinsel erkundet hatten, machten wir uns auf den Weg zum Mt. Rainier Nationalpark. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Im Rückblick habe ich es wirklich sehr genossen einmal in diesem Teil der Welt gewesen zu sein. Wenn man das Gefühl hat, dass der Aufenthalt irgendwo zu kurz war, dann wird man auf jeden Fall irgendwann wiederkommen. Diese erstaunliche Landschaft zum ersten Mal in meinem Leben gesehen zu haben, hat mich wirklich umgehauen und meine Vorstellungskraft übertroffen. Deswegen wird mich der pazifischen Nordwesten definitiv bald wiedersehen!

Luca Jänichen